4 November 2020

Zwischen den Stühlen

Aufs neue ist es fast unmöglich geworden, für mich, um nach Friedrichstadt zu kommen, um dort einen Gottesdienst mit einander zu halten, und die andere Dinge zu tun, die ein Pastor normalerweise tut. Die Maßnahmen, die jetzt getroffen werden um die Covid 19-Pandemie einzudämmen, sind so streng geworden, dass Ausländer wie ich kaum noch nach Deutschland reisen können.

Konnte ich das letzte Mal noch mit einem negativen Test ohne Probleme einreisen, jetzt muss ich auch noch einen zweiten Test zur Stelle machen, nach fünf Tage, und in der Zwischenzeit in Quarantäne gehen. Das bedeutet so ungefähr dass ich nichts tun kann, nach eine lange Reise, und wenn ich nichts getan habe wieder abreisen muss.

Ich finde das schwierig. Ich merke an mich selber, wie schwierig es ist (und bleibt) um nicht die Arbeit tun zu können die mir lieb ist; nicht die Menschen sehen zu können die ich gerne sehe, mit wen es gut zu sprechen ist; nicht dasjenige zu sein, dass mir im Laufe der Zeit als mein Auftrag im Leben zugefallen ist. Das alles merke ich nicht nur in den Tagen wenn ich nicht vor Ort sein kann, sondern, auch zu Hause, wo es eine Leere gibt die es noch nie gegeben hat.

Es ist jetzt anders als im Frühjahr, beim ersten Mal als wir alle die Disziplin aufbrachten um auch als Glaubensgemeinschaft in Quarantäne zu gehen. Um zu verzichten auf die Gottesdienste und das persönliche Kontakt. Wir nahmen an, dass es vorübergehende Maßnahmen waren, eine Zwischenzeit, die vorüber gehen würde. Mit dem Pfingstgottesdienst, draußen, war diese Zeit vorüber, dachten wir. Jetzt aber wissen wir, dass das nicht so ist. Wir müssen noch lange warten, Ausdauer haben, bevor das Leben von uns allen wieder normal ist. Vielleicht ist dann ein Gottesdienst ein Zeichen dass das Leben wieder normal ist, das heißt, ein Feier um das gewöhnliche Leben wieder zu feiern: dass wir noch immer gesund und fröhlich bei einander sein können, um im Namen Gottes das Leben, und die Zugehörigkeit zu einander, einfach zu erleben und als ein Fest zu begrüßen.

Ich hoffe dann auch noch dabei zu sein! Jetzt bewege ich mich um sozusagen zwischen den Stühlen: zwischen dem Stuhl wo ich lese (und ich lese jetzt viel), den Stuhl wo ich wieder auf meine Cello spiele, und dem Stuhl vor mein Schreibtisch (wo auch mein Computer steht). Viel innerhalb des Hauses also, aber glücklicherweise auch draußen, für Spaziergänge in der Natur und bei vorsichtige Begegnungen mit Familie und Freunden. Aber immer in der Hoffnung bald wieder bei euch zu sein, in Gesundheit und Freude. Damit wir wieder sichtbar eine lebendige Gemeinschaft sein können.

Mit herzliche Grüssen aus den Niederlanden!
Severien Bouman

Gerelateerd