3 Dezember 2020

Wärme und Licht

Es gibt ein Bild von Vincent van Gogh das lange Zeit fast unbekannt war, weil in Privatbesitz, und dieses Jahr gemeinsam gekauft wurde von zwei Museen in den Niederlande, und dann auch gezeigt. Dieses Bild ist aus seiner Anfangszeit, dunkel also, aber dennoch faszinierend. Es zeigt einen Bauer, der im Dunkel des Abends Unkraut verbrennt, das Unkraut das er tagsüber von seinem Land gesammelt hat. Das Feuer auf dem Bild steigt hoch, ist leuchtend in der Nacht. Hier wird sichtbar wie es Wärme gibt, und Licht. Für den Bauer ist das vielleicht eine notwendige Nebensache, aber für anderen ist es faszinierend um zu sehen, einladend auch um in der Nähe zu sein. Van Gogh hat diesen Bauer beim Feuer zugesehen, als er eine Zeit in Drenthe war, eine damals arme Gegend der Niederlande. Er schreibt seinem Bruder Theo darüber, in einem seiner wunderschönen Briefe, dass er jeden Abend zu ihm ging um sich dieses Schauspiel anzukucken. Dieser “Unkrautverbrennerchen”, wie er ihn nannte, verkörperte offenbar etwas für ihn, das ihm wichtig war, “in der Grösse der Landschaft wenn der Abend hereinbricht, und das Feuer das einzige Lichtpünktchen ist”,  wie er schreibt.

Dieses Bild (“Onkruid verbrandende boer” auf Holländisch) kann ich Ihnen leider nicht zeigen, aber vielleicht reichen die Wörter um sich dieses Bild ein bisschen vor Augen zu stellen. Ich habe es lange zugesehen, weil mich darin etwas traf: ein Verlangen, schon in meiner Jugend anwesend, um beim Feuer anwesend zu sein, um ins Licht zu kucken, und die Wärme zu geniessen. Ich denke dass viele Menschen das kennen. Es ist so etwas wie eine Urerfahrung, um in die Dunkelheit der Nacht die Nähe des Lichts zu suchen, und die Wärme des Feuers. Das tut gut, im Moment selbst, und hat etwas reinigendes, als ob auch wir das Unkraut unseres Lebens ein bisschen wegräumen.

In dieser Zeit von Advent kann dieses Bild von van Gogh auch etwas sichtbar machen, das jetzt tief in unseren Seelen passiert: ein Verlangen nach Wärme und Licht, in dieser finstere Zeit. Wir werden uns dieses Jahr sehr bewusst dass die Finsternis, die in diese Zeit des Jahres so offenkundig ist, mit den kurzen Tagen, auch soviel mehr ist als das. Wir wissen wie schwierig es ist um jetzt, bei alle Bedrohung von Krankheit und alle schreckliche Massnahmen um diese zu verhindern und einzudämmen, dennoch mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken. Um fröhlich zu sein, und unsere manchmal so andere Tagen als sinnvoll zu erfahren.

Vielleicht müssen wir jetzt auch aufs neue versuchen zu bedenken, was für uns im tiefsten Sinne des Wortes Wärme bedeutet, und Licht. Was diese grosse Worte, die wir manchmal fast selbstverständlich benutzen, wirklich für uns bedeuten. Wie sie zusammenhängen können mit den besten Momenten unserer Geschichte, und mit dem tiefsten Sinn unseres Glaubens. Vielleicht müssen wir diesen Sinn neu verstehen, und versuchen zu erobern. Vielleicht müssen wir das Moment abwarten worauf dies alles uns gereicht wird, und offenbar ist. Vielleicht ist das auch Advent.

Hoffentlich sind wir alle imstande ein bisschen von dieser Wärme und Licht in dieser unserer Zeit zu erfahren!

Severien Bouman

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