18 Februar 2021

Vergiß das Beste nicht

Im Moment ist das Leben von vielen Menschen erschüttert, es gibt noch wenig das so ist wie es war. Es haben sich große Veränderungen vorgetan, seitdem unsere Gesellschaft von der Corona-Pandemie beherrscht wird, und viele von uns haben große Schwierigkeiten damit. Wir wissen noch wie es davor war, und wir wissen noch nicht wie es sein wird, wenn das Leben wieder ein bisschen normaler wird. Deshalb gibt es eine fast allgemeine Unruhe, die das Leben von uns allen bestimmt, mit allen große Fragen die es jetzt gibt: wie kommen wir hieraus? Wie sieht unser Leben aus, wenn diese schreckliche Krankheit vorüber ist; wenn die Menschen nicht mehr daran sterben; wenn wir alle geimpft sind; wenn wir wieder voller Hoffnung das Leben genießen können?

Ich musste denken an eine Kurzgeschichte des immer faszinierenden Schriftsteller Walter Benjamin, der in 1932 schon eine Geschichte geschrieben hat mit dem Titel: “Vergiß das Beste nicht”. Er hatte damals seine Zuflucht genommen in Ibiza, wo er relativ sicher und billig wohnen konnte, vor den schrecklichen Verhältnisse im eigenen Land gespart. In diese kurze Geschichte beschreibt er wie ein ihm bekannten Mann, der immer ordentlich und pünktlich gelebt hatte, völlig geändert in seinem Dasein ein neues Leben anfängt. Auch wo er sich vornimmt aufzuräumen, wächst die Unordnung. Aber gerade in dieser Unordnung entdeckt er seine Freunde wieder, und sie ihn, und wenn er einfache Geschenke gibt, dann “kamen sie zur rechten Zeit, als hätte er die Wege des Himmels in Händen.” Am Ende dieser Geschichte schreibt Benjamin: “Damals erinnerte er sich am liebsten der Sage vom Hirtenbuben, der eines Sonntags Einlass in den Berg mit seinen Schätzen, zugleich jedoch die rätselhafte Weisung mitbekommt: ‘Vergiß das Beste nicht’. In dieser Zeit befand er sich leidlich wohl. Weniges erledigte er und hielt nichts für erledigt.”

Vielleicht leben wir jetzt in eine vergleichbare Situation. Es ist schwierig so zu leben wie wir es gewohnt waren; es ist schwierig geworden um eine Ordnung zu bewahren, die es immer für uns gab; schwierig um die Freunde zu besuchen, und sie zu empfangen; schwierig um Geschenke zur rechten Zeit zu geben. Aber auch wir verlangen danach um “Wege des Himmels in Händen” zu haben, und diese für anderen zu öffnen. Und vielleicht müssen wir auf eine neue Weise danach suchen.

Vielleicht auch ist es dann gut sich die alte Weisung zu erinnern: “Vergiß das Beste nicht”. Diese Weisung mag rätselhaft sein, für den Dichter damals schon, und sicher auch für uns. Wir wissen nicht immer was das Beste ist; das Beste das wir behalten müssen, und vielleicht auch an anderen zeigen können. Aber irgendwo muss es so etwas geben, etwas das das Beste unseres Lebens ausmacht: was uns selber aufrecht hält in schwierige Zeiten; womit wir anderen helfen können um ihr Vertrauen im Leben zu stützen. Damit wir gemeinsam den Weg zu einer neue vertrauensvolle Zukunft gehen können, den wir mit Recht als einen Weg des Himmels betrachten können.

Hoffentlich sind wir alle dazu imstande, in Vertrauen auf Gott, der immer neue Wege in uns öffnet.

Gerelateerd