12 Mai 2020

Unterwegs

In dieser Zeit der Krise wird nicht nur an unserem Gehorsam appelliert, an das Befolgen aller notwendigen Maßnahmen um das gefürchtete Virus zu vertreiben – aber auch an unsere Gemeinsamkeit. Wir müssen, vielleicht bewusster als sonst, Rechnung halten mit einander, auch mit uns unbekannten Menschen. Wir tragen eine Verantwortlichkeit, für unser Betragen, für unsere Hygiene, woran wir vielleicht nie gedacht haben. So gibt es vielleicht auch einen neue Ärger, wenn wir sehen wie unachtsam Menschen sich in aller Öffentlichkeit betragen können. Als ob sie nie gehört haben, was unser gemeinsame Auftrag ist, in dieser Zeit. Wie notwendig es ist um so schnell wie möglich eine neue gesunde Atmosphäre in unsere Welt zu schaffen. Wir sind gemeinsam unterwegs, nach einer unerwartete Katastrophe, und hoffen dennoch, in dieser Gemeinsamkeit, auf eine neue Zukunft, worin wir alle gesund und munter sein können.

Diese letzte Themen kommen alle zusammen in der biblische Geschichte der Emmausjünger, die kurz nach Ostern unterwegs waren um zu Hause ihr alltägliche Leben fortzusetzen, nachdem sie auf die eine oder andere Weise das Leben Jesu geteilt haben. Ihre Geschichte ist vor allem die Beschreibung dessen wie die Geschlossenheit von Menschen so durchbrochen werden kann, dass eine neue grundlegende Offenheit für sie (und damit für uns) verwirklicht wird.

Sie besprechen mit einander die Katastrophe, die sie eben erlebt haben. Auch wenn ein Unbekannter sich bei ihnen fügt, und sie nur noch ihre Trauer mit ihm teilen können. Wenn das auch in viele Fälle ein schönes Vertrauensbeweis sein kann, in diesem Fall verstehen sie eigentlich nicht, wie sehr sie damit verweigern, dass ihre Augen geöffnet werden, und sie wirklich sehen können, was sich in der Wirklichkeit und in ihrem Leben selbst geändert hat. Es gibt offenbar eine selbstverschuldete Blindheit, wie verständlich diese auch ist. Aber genau diese Blindheit wird in dieser Geschichte durchbrochen, damit wir Menschen gemeinsam eine bleibende Offenheit erfahren können, die uns einander und damit eine fruchtbare Zukunft sehen tut.

Diese Geschichte, die Lukas fast am Ende seines Evangeliums beschreibt, ist so etwas wie die ewige Botschaft, wie an Menschen eine neue Zukunft beschenkt werden kann. Von einem Unbekannten, der die gemeinsame Traurigkeit durchbricht. Von einem Menschen, der, in seinen Gesten und in seinen Worten, für Jesus selber steht. Hier, wie an andere Bibelstellen, steht Jesus für den Menschen, der die Verantwortlichkeit für anderen Menschen, in ihren Kummer, in ihrem Trauer, auf sich nimmt, und in ihr Leben eine neue Öffnung für eine gute Zukunft zeigt. Auch das wird mit dem Wort “Auferstehung” gesagt: wie wir seine Stimme hören, seine Gesten erkennen und nachfolgen können. Als ob er bei úns eintritt, in unserem Wohnung, und uns die Kraft gibt, gemeinsam auf seinem Weg weiter zu gehen. Unterwegs, voller Hoffnung.

Auch in diese für viele schwierige Zeit. Wo wir in großem Abstand von einander leben müssen, aber dennoch von einander hören können. Wo wir getrennt von einander leben, aber einander dennoch lieben können. Wo wir einander Vertrauen geben können in eine sinnvolle Zukunft, als ein Versprechen Gottes.

Severien Bouman

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