25 Mai 2020

Übertragungen

In dieser Zeit der Krise, wo das Leben von vielen Menschen so unsicher geworden ist, ist oft die Frage hörbar, wie es nach der Krise aussehen wird. In unserem Leben; in unserer Gesellschaft. Wird alles wieder “normal”? Und wie könnte diese neue “Normalität” für uns alle aussehen?

Diese Woche steht auf den kirchlichen Kalender das Fest von Himmelfahrt. Das wird eigentlich nicht mehr gefeiert, es ist ein allgemein geschätzter freie Tag geworden, ohne Bezug zu dem ursprünglichen Inhalt der vermutlichen Ereignisse. Damit können wir kaum noch etwas anfangen. Für so etwas ist kein Platz mehr in unserem Weltbild.

Aber vielleicht können wir genau heute dennoch einen Sinn entdecken in das alte Bild des Himmelfahrt. Dann müssen wir nicht bei dem Himmelfahrt von Jesus anfangen, sondern bei der noch viel ältere Geschichte des Propheten Elia. Am Ende seines Lebens, nachdem er im Namen Gottes so viele Dinge gezeigt und gesagt hat, sein oftmals bezweifeltes Leben im Dienste Gottes gelebt hat, weiss er, dass er sterben wird. Er versucht das alleine zu tun, aber sein Diener Elisha weigert sich um ihn alleine zu lassen. So wird er Zeuge der “Entrückung Elijas”, wie es heisst, seiner Himmelfahrt. In dieser alte Geschichte geht es nicht so sehr um das Wunder, um etwas das eigentlich nicht möglich ist; sondern es geht um die Übertragung des Amts des Propheten. Elisha wird mit dem Kleid und dem Amt von Elia ausgestattet, damit das Wort Gottes in der Welt hörbar uns sichtbar bleibt.

Das ist auch der Sinn der Himmelfahrt Jesu: es ist kein Mirakel das wir glauben müssen, auch wenn es uns unverständlich ist. Sondern es ist die Übertragung seiner Ämter auf seine Jünger: sie werden aufgerufen die Kraft des Heiligen Geistes zu erwarten, um damit die Anwesenheit Gottes in Jesus in der Welt darzustellen. Es geht also um die Frage ob wir bereit sind um die Anwesenheit Gottes, so wie diese sichtbar und hörbar war im öffentlichen Auftreten von Jesus, in unserem eigenen Leben, und in unserer Welt, fortzusetzen. Noch bevor wir die Kraft dazu empfangen. Es geht also um die Bereitschaft zur Übernahme des Glaubens in die ungeahnten Möglichkeiten Gottes, die noch verwirklicht werden müssen und können in unserer Welt.

Vielleicht können wir heute sagen, nach tausenden Jahren, dass diese Übertragungen von Zeit zu Zeit gelungen sind. Sind Menschen wirklich imstande gewesen, das ihnen vertraute Gut wie aus dem Himmel zu empfangen, und selber weiterzuleiten. Natürlich ist auch viel fehlgegangen, haben Menschen versagt, sich geweigert den göttlichen Auftrag zu empfangen oder weiterzureichen. Aber dennoch gibt es auch ein Schatz an Glauben, durch die Jahrhunderte hindurch, bis in unsere Zeit. Von Menschen die Vertrauen haben, dass Gott uns nicht im Stich lässt; dass wir seine Anweisungen zum guten Leben mit einander empfangen haben, und mit einander auch verwirklichen wollen. Vielleicht auch jetzt, in diese unsichere Zeit, wo wir nicht mehr wissen was “normal” ist, und wie es das wieder werden kann. Aber wir haben auch so etwas wie den Mut empfangen, um diese neue Zukunft unter Augen zu sehen.

Wie eine Übertragung Gottes an uns.

Severien Bouman.

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