4 November 2020

Mitten wir im Leben

“Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen…”

Das ist die Anfangszeile eines bekannten Kirchenliedes, das seit dem Mittelalter in der Kirche (und vielleicht auch außerhalb ihr) gesungen wird. Auch in November, der Monat worin wir unsere Toten gedenken. Vor allen natürlich diejenigen die wir in unserem eigenen Leben verloren haben, teuere Geliebten, die uns vor langer Zeit schon entfallen sind, oder erst vor kurzem. Die alle bei uns bleiben, uns vor Augen stehen, und oft in unseren Gedanken und Erinnerungen anwesend sind.

Die Kirche hat schon immer die Weisheit gehabt um diese wichtige Strom von Gedanken und Gefühlen eine eigene Form zu geben. Die Katholische Kirche in den  beide Tagen von Allerheiligen und Allerseelen, Anfang November, wo die Gestorbenen aus der Geschichte der Kirche und aus dem eigenen Leben erinnert werden. Als eine persönliche Aneignung, eine neue Inspiration, und eine lebendige Erinnerung an diejenigen die wir persönlich gekannt und geliebt haben. Die protestantische Kirchen haben etwas vergleichbares getan, am letzten Sonntag des kirchlichen Jahres, fast am Ende des Monats, wo wir unsere Toten gedenken, und in Erinnerung bringen wie sie zu uns gehören. Wir feiern das innerhalb der Kirche mit dem Abendmahl, und draussen auf dem Kirchhof, in eine immer innige und konzentrierte Anwesenheit. Dieses Jahr, müssen wir leider annehmen, kann das wegen der Pandemie nicht stattfinden, was vielen in unserer Gemeinde sehr vermissen werden.

Macht uns das auch in dieser Hinsicht einsam? In dieser Zeit sind wir schon von vielem abgeschlossen, das uns normalerweise viel Freude gibt, und uns von vielen Menschen trennt mit wem wir uns sehr verbunden fühlen. Jetzt sind auch die Gottesdienste nicht mehr möglich, und auch an die jahrhundertalte Riten können wir nicht mehr teilnehmen. Auch das sind grosse Verluste. Hoffentlich nur für eine begrenzte Zeit, aber auch tiefgreifend.

Dennoch werden wir es nicht unterlassen um an unsere Toten zu denken, in allem was sie für uns waren. Vielleicht ist es uns noch immer möglich zu ihren Gräbern zu gehen, und sie in Stille zu gedenken. Wenn ich das selber tue, muss ich oft an den Worten des jungen Hölderlins denken, der schrieb: “es ist wohl keiner noch zu seines Freundes Grabe gegangen, ohne die leise Hoffnung, da dem Freunde wirklich zu begegnen.”

Auch wenn wir wissen, dass es eine solche Begegnung nicht wirklich stattfinden wird, brauchen wir uns das Gefühl nicht zu ersparen, dass es eine Anwesenheit gibt die über den Tod hinausgeht. Eine Anwesenheit die bei uns bleibt, uns tröstet, und Mut zum Leben gibt. Eine Anwesenheit die Gott mit Menschen verbindet, und uns Hoffnung gibt auf ein neues Leben.

Severien Bouman

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