11 Dezember 2020

Kerzen mit Weihnachten

“Ich schaue nach vorn auf meine brennenden Kerzen.”

So lautet ein Satz aus einem Gedicht des neu-griechischen Dichters Konstantinos Kavafis (1863-1933) der in Alexandria lebte. In diesem Gedicht beschreibt er zwei Arten von Kerzen: Die Kerzen der Vergangenheit (“eine traurige Reihe abgebrannter Kerzen”) und die Kerzen der Zukunft (“eine Reihe angezündeter Kerzen”). Der Dichter nimmt sich vor um den Anblick der Kerzen der Vergangenheit zu vermeiden, (“es schmerzt mich, an ihr erstes Licht zu denken”) und vor allem nach vorne zu schauen und die Wärme und Lebendigkeit der angezündeten Kerzen zu bedenken.

Das sind Worte und Bilder die wir nicht unbedingt teilen müssen um dennoch von seinem Einblick gerührt zu werden. Vielleicht vor allem in diesem Jahr mit Weihnachten.

Auch wir werden in diesem Jahr mit Weihnachten oft intensiv zurückdenken an die die Zeiten dass wir Weihnachten auf eine vielleicht fast selbstverständliche Weise gefeiert haben. Mit den Menschen die es damals für uns gab, die teueren, geliebten, vielleicht jetzt so vermissten Menschen. Mit einem vertrautem Gang zur Kirche vielleicht auch, die immer voll war, und Wärme und Vertrautheit ausstrahlte. Wie das Licht von Kerzen, die damals angezündete; die uns auch später Licht und Kraft fürs Leben brachten. Diese Erinnerung kann uns jetzt auch schmerzen, wie es dem Dichter tat; wir können aber auch in diese helle Erinnerungen eine Ermunterung erfahren um jetzt etwas mit früher vergleichbares auf uns zu kommendes zu verwirklichen. Das auf jeden Fall zu versuchen.

Jemand hat mir je gefragt was für mich persönlich Weihnachten eigentlich bedeutet. Ohne alle theologische und pastorale Nebengedanken. Meine Antwort war: das es dennoch Licht gibt in der Welt. Dass wir dennoch versuchen können, dieses Licht zu sehen, auch wenn es dunkel ist um uns herum. Das wir dennoch versuchen können, ein bisschen Licht in der Welt zu verwirklichen, auch wenn das vielleicht eine für uns zu große Aufgabe scheint, und unsere Kräfte gering. Dass wir in dem Licht glauben das da ist, dem Licht auch das kommt. Weihnachten steht für einen Glauben in etwas unzerstörbares in Menschen, als ein von Gott an uns gegebenes Geschenk.

Die Kerzen die wir anzünden können, auch dieses Jahr mit Weihnachten, können dann so etwas sein wie eine Ermutigung um (so weit es uns möglich ist) an diesem Glauben fest zu halten. Mit alle Erinnerungen die es gibt, aber auch mit aller Hoffnung die jetzt möglich ist. Auch wenn soviel finster ist in unserer Welt. Es wird uns dennoch Licht gereicht, wir können es dennoch selber entzünden. Für uns selbst und für anderen!

Ich wünsche Ihnen lichtbeständige und fröhliche Weihnachten.

Severien Bouman

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