26 November 2020

Advent

Es wird dieses Jahr einen merkwürdigen Advent geben: diese Zeit vor Weihnachten ist so anders als andere Jahren. Wir wissen nicht wie wir Weihnachten feiern werden, zu Hause und in der Kirche. Hoffentlich wird es möglich sein mit der Familie zusammen zu sein, aber in welchem Umfang ist noch unklar. Hoffentlich wird es möglich sein um in der Kirche Heiligabend zu feiern, aber jetzt können wir noch nicht sagen ob oder wie wir dann zusammen sein können. Wie ist es dann noch möglich zuzuwachsen zu diesem großen Festtag?

Es gibt ein Gedicht des Holländischen Dichters Gabriel Smit, das “Advent” heißt, das in gewissen Sinne die Atmosphäre dieses Jahres gut zeichnet:

Fast fängt es an zu nebeln: die Menschen bewegen

schnell und unruhig in sich selbst vertieft;

das Licht ist träge, es hält die Stimmen auf,

der Wind hängt willenlos in grauer Ferne.

 

Wir lösen uns jetzt langsam von den Dingen,

nichts gibt es das uns noch verbergen kann,

wir suchen überall Erinnerungen,

und wissen auch wie fruchtlos das sein mag,

bis alles aus dem Herzen uns ist weggeschlagen,

nichts übrig bleibt, das uns noch kennt, –

dann, plötzlich, fängt ein klares Fragen an,

vorsichtig erst, wir sind das Licht entwöhnt,

dann unaufhaltsam wachsend durch die Tagen,

singend und strahlend, – denn es ist Advent.

Nicht nur in die Natur in diesen Tagen, auch in uns gibt es in dieser Zeit manchmal eine Art Unvermögen, um wirklich zu sehen was jetzt passiert. Eine Undurchdringlichkeit, hervorgerufen von Geschehnisse aus unserem persönlichen Leben, aber auch durch alle Krankheiten und Maßnahmen, die in unseren Ländern das tägliche Leben sosehr beherrschen. Was ist dann noch wirklich wichtig für uns?

Wir müssen wirklich Mühe tun, um wieder eine Klarheit zu bekommen, die uns zeigt wie wir jetzt leben können. Worauf es wirklich ankommt. Um nicht den Mut zu verlieren über eine gute Zukunft. Um sich nicht in Bitterkeit mitreißen zu lassen. Um nicht nur die Einschränkungen zu erfahren, sondern auch die Hoffnung lebendig zu halten auf ein sinnvolles gemeinsames Leben, auch in unseren Kirchen, in unserer Gesellschaft.

Vielleicht ist Advent dieses Jahr vor allem ein neuer Versuch um eine Klarheit zu erwarten und zu suchen, worin wir die Anwesenheit Gottes bei uns erfahren können. Wie in ein verletzbares Kind. Das uns verletzbare Menschen aus Nebel und Finsternis  hinausführt  und Wege weist zu einer neue Welt.

Severien Bouman

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